Evidenzbasiertes Management: weniger Bauchgefühl, mehr Beweise

Führungskräfte stehen täglich vor wichtigen Entscheidungen: Ist es sinnvoll, ein Geschäftsmodell zu verändern? Wie finden Personalverantwortliche die besten Bewerber für Schlüsselpositionen? Welche Führungskultur passt zur Organisation? Welches Vergütungssystem ist angemessen? Wer führt, muss entscheiden. Wer führt, soll richtig entscheiden – so der Anspruch. Aber woran orientieren sich Manager eigentlich bei ihren Entscheidungen?

Evidenzbasiertes Management: weniger Bauchgefühl, mehr Beweise

Die Qual der Wahl: Gängige Entscheidungsmuster

 

Viele Manager zögern nicht lange und treffen Entscheidungen intuitiv, „aus dem Bauch heraus“. Andere führen altbewährte Vorgehensweisen fort, ohne deren Wirkung zu hinterfragen. „Best Practices“ anderer werden einfach auf das eigene Unternehmen übertragen. Sie springen auf Moden auf, ohne diese kritisch zu prüfen: Der Personalmanager liest, wie wichtig ein charismatischer Führungsstil ist und schickt prompt alle Führungskräfte ins Charisma-Training. Der Teamchef hört in einem Führungskräftetraining, dass man Mitarbeitern unbedingt positives Feedback geben muss und lobt fortan jedes Teammitglied über den grünen Klee.

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Intuition ist nur in Grenzen gut

 

Entscheidungen intuitiv zu treffen, ist an sich nichts Verwerfliches. Wenn Sie intuitiv entscheiden, greifen Sie unbewusst auf Ihr Erfahrungswissen zurück. Das funktioniert in Bereichen, in denen Sie bereits viele Erfahrungen sammeln konnten. Wenn Sie sich jedoch auf unbekanntem Terrain bewegen, haben Sie dieses Erfahrungswissen nicht. Intuition ist dann ein schlechter Ratgeber – vor allem, wenn es um Entscheidungen von großer Tragweite geht. Was Sie brauchen, ist Evidenz. Sie brauchen Fakten, die Ihren Entscheidungen ein möglichst sicheres Fundament geben.

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Evidenzbasiertes Management für belastbare Entscheidungen

 

Die Idee des evidenzbasierten Arbeitens stammt ursprünglich aus der Medizin. Ärzte, die evidenzbasiert arbeiten, fragen bei der Versorgung ihrer Patienten nach den besten derzeit verfügbaren Beweisen für die Wirksamkeit einer Therapie. Gibt es Studien, die belegen, dass eine eingesetzte Therapie tatsächlich zur Heilung einer Krankheit führt?

In den USA gibt es eine Bewegung, die sich dafür einsetzt, diese Idee aufs Management zu übertragen. Angesichts zahlreicher Beispiele für Fehlentscheidungen im Management raten sie Führungskräften, sich wie Ärzte zu fragen: Gibt es zwischen einer geplanten Vorgehensweise und dem angestrebten Ziel einen belegbaren Zusammenhang? Gibt es Fakten, die bestimmte Entscheidungen rechtfertigen?

 

Der erste Schritt: Stellen Sie Fragen

 

In Deutschland ist der Begriff des evidenzbasierten Managements noch wenig bekannt.

Bei Führungskräften, die davon gehört haben, sind die Vorbehalte oft groß: Sie fürchten, dass evidenzbasiertes Arbeiten mit großem Aufwand verbunden ist. Diese Furcht ist jedoch unbegründet. Denn es geht nicht um allgemeingültige Wahrheitsfindung nach wissenschaftlichen Maßstäben. Es geht vielmehr darum, dass Sie Entscheidungen im Einzelfall bestmöglich anhand von Fakten belegen. Für evidenzbasiertes Management brauchen Sie vor allem eines: den Willen, Dinge zu hinterfragen – und den Mut, auch unbequeme und unerwartete Antworten zu akzeptieren. Beginnen Sie also damit, Fragen zu formulieren, die Sie beschäftigen und die für Ihr Unternehmen relevant sind: Welche Formen von Vielfalt spielen für die Teamleistung eine wichtigere Rolle? Führt Feedback wirklich zu besserer Leistung bei Mitarbeitern?

 

Der zweite Schritt: Sammeln Sie Fakten

 

Haben Sie Ihre Fragen einmal formuliert, müssen Fakten gesammelt werden. Dabei können Sie auf zwei Arten von Evidenz zurückgreifen: externe Daten aus wissenschaftlichen Untersuchungen und interne Daten, die Sie in Ihrem Unternehmen erheben. Zu letzteren gehören zum einen subjektive Daten wie Ergebnisse aus Expertenbefragungen, Mitarbeiterbefragungen und Best-Practice-Beschreibungen und zum anderen objektive Daten wie Produktivitäts- und Innovationskennzahlen, Fehlerraten und Fehlzeiten.

 

Der dritte Schritt: Zählen Sie eins und eins zusammen

 

In vielen Unternehmen werden beide Datentypen erhoben, aber damit endet der

Prozess auch schon. Selten werden zum Beispiel subjektive Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen mit „harten Daten“ wie Fehlzeiten zusammengeführt. Sei es aus Angst vor dem Aufwand oder aus Furcht vor Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat: Unternehmen zählen eins und eins nicht zusammen, denn sie scheuen solche sogenannten Linkage-Analysen. Das bloße Sammeln der Daten genügt aber nicht. Wenn Sie die Daten nicht miteinander verknüpfen, gehen Ihnen wertvolle Erkenntnisse als Entscheidungsgrundlage verloren.

 

Evidenzbasiertes Management ist Sache der Unternehmenskultur

 

Evidenzbasiertes Management kann in Ihrem Unternehmen aber nur Fuß fassen, wenn die kulturellen Voraussetzungen stimmen. Sie benötigen Strukturen, die es Ihnen ermöglichen, eine Datenbasis aufzubauen und ständig zu erweitern. Hierzu gehören

 

  • eine gute Fehlerkultur: Auch Misserfolge bilden einen Datensatz, der wertvoll ist für weitere Entscheidungen. Mit jedem Fehler, jeder Niederlage lernen Sie und Ihr Unternehmen dazu.
  • die Gemeinschaft der Mitarbeiter: Nur dadurch, dass möglichst viele Ihrer Mitarbeiter ihre Beobachtungen, Erfahrungen und Erkenntnisse einbringen, lässt sich die interne Datenbasis in Ihrem Unternehmen ständig aktualisieren.
  • Aus- und Weiterbildung: Alle Führungskräfte müssen für faktenorientiertes Denken und Handeln sensibilisiert und qualifiziert werden.

 

Der Aufwand zahlt sich aus

 

Kurzum, evidenzbasiertes Management muss in Ihrem Unternehmen gefordert, gefördert und gelebt werden. Das heißt auch, dass Recherchen, Untersuchungen und Erhebungen selbstverständlich sind. Zugegeben - das Ganze ist mit etwas Aufwand verbunden. Aber viel größer sind Kosten und Aufwand, wenn Ihre Entscheidungen auf falschen Annahmen beruhen und deshalb zu HR-Maßnahmen, Managementstrategien und Führungsinstrumenten führen, die nicht halten, was Sie sich von ihnen versprechen.

 

Sie wissen nicht, ob Ihr Unternehmen über die notwendigen Voraussetzungen für evidenzbasiertes Management verfügt? Wenden Sie sich an uns, wir beraten Sie gerne. 

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